KV oder vKV

Hier ein kurzer Abriß zum Thema Kreisverbände vs. virtuelle Kreisverbände (KV vs vKV).

ACHTUNG: ich mag keine KVs, daher ist dieser Blogpost “gefärbt”. Ausserdem bin ich kein Anwalt, dieser Text spiegelt nur mein Verständnis der Sache wieder – was aber falsch sein kann.

Zuerst ein kleiner rechtlicher Exkurs: Es gibt in der Juristerei zwei Arten von Personen, nämlich natürliche (Menschen) und juristische (z.B. Unternehmen oder Untergruppen von Parteien). Will man z.B. ein Büro mieten, dann muss man eine dieser Arten von Personen sein.

Vorteile von KVs:

  • Juristische Person
  • eigenes Konto
  • gewählte Vorstände, die schnell was entscheiden können

Nachteile von KVs:

  • gewählte Vorstände
    • die halt machen können (“die machen das schon”)
    • die die Presse ansprechen kann, wenn sie die Meinung der Piraten Aachen hören wollen
  • flache Struktur weg
  • Organisationsaufwand
    • regelmäßige Treffen die dokumentiert werden müssen
    • regelmäßige Wahlen
  • eigener Schatzmeister, der verantwortlich ist.
  • 150€ pro Jahr an den Bundesverband, damit man deren Verwaltungssoftware benutzen muss

In Aachen haben wir (bis jetzt) keinen KV, womit sich, nach der obigen Beschreibung, ein paar Dinge ergeben: unser Büro (H24, im Hirschgraben 24-26) ist vom Landesverband gemietet – weil das die unterste juristische Person ist, die es gibt. Käme ein Bezirksverband dazwischen, müsste der (wahrscheinlich) die Anmietung übernehmen. Oder halt ein KV oder Ortsverband…

Wir haben auch kein Konto bei einer Bank in Aachen – weil wir keine juristische Person haben. Sowas wie mal eben einen Stehtisch für einen Infostand kaufen geht damit nicht soo einfach, sondern das muss über den Landesverband und den Landesvorstand laufen.

Jetzt gibt es diese Situation (kein KV vor Ort) noch bei vielen Kreisen, daher haben wir mit der Satzung, die wir im Nov. 2011 in Soest abgestimmt haben, da ein paar Konstrukte eingebaut: bei der Geldaufteilung im Landesverband wird ein Kreis ohne KV einfach als virtuelle KV gehandhabt. Geldmäßig soll das also keinen Unterschied machen. Ausserdem ist der Landesvorstand angehalten, z.B. Kaufentscheidungen aus einem vKV “ohne große Kritik” durchzuwinken. Nachdem diese ja aber das Produkt kaufen, haften die auch – müssen also u.U. mal nachfragen/ablehnen.

Probleme habe ich mit der Auflösung der flachen Strukturen. Es sind damit nicht mehr alle Piraten in Aachen gleich, nein, irgendwer ist der Herr/die Frau Vorsitzende, irgendwer Schatzmeister etc. Womit wir keinen Deut besser als die anderen Parteien sind. Hätte die Piratenpartei 2009, wo ich eingetreten bin, solche eine Struktur gehabt, wäre ich definitiv nicht eingetreten.

Ausserdem stürzen sich, weil sie es so gewohnt sind, die Presseleute auf die Vorstandsmitglieder. Immer. Der Reihe nach, vom 1. zum 2. Vorsitzenden zum Schatzmeister zum Beisitzer. Wir merken es in Aachen schon mit Felix Bosseler, dem Ratsherren. Den wollen die auch immer. Das haben wir jetzt langsam den Reportern in Aachen und beim WDR beigebracht bekommen, dass es auch jemand anders sein kann. Meiner Meinung nach wäre das aber nochmal deutlich schwerer mit einem Vorstand.

Wir kriegen es, durch Felix, jetzt auch mit, wie der Flurfunk funktioniert bei den Fraktionen im Rat. So haben die Felix – der die Dinge dann in den AK trägt. Wiederum wäre es mitdem Vorstand so, dass die anderen Parteien vermehrt diese Leute ansprechen würden. Womit die zwei Klassengesellschaft noch größer würde.

Mein Ding ist das alles nicht – ich werde meine Aktivitäten massiv zurückfahren, wenn es einen KV in Aachen geben sollte. Aber wenn es demokratisch abgestimmt wird, akzeptiere ich das natürlich. Nur achte ich dann auch pinibel auf die Regeln!

Nachtrag zum Büro: wir sind beim Landesverband mit > 1600€ in den Miesen – womit das KV Konto dann wohl starten würde…

Crews

Früher war es so, dass Crews ein Budget hatten, sich aber auch mind. einmal im Monat, mit Protokoll und anderem Formal-Foo, treffen mussten. In der selben Satzungsänderung im Nov. 2011 sind die Crews zu einem Schatten ihrer selbst geworden. Früher waren die die unterste Ebene, klein, (meist) lokal und untereinander gut vernetzt. Da konnte schnell auf eine Situation reagiert werden und ein Infostand auf die Beine gestellt werden. Ausserdem hatte man Spass.

Jetzt haben Crews kein Geld mehr und müssen weder Protokoll erstellen noch sich regelmäßig treffen. Womit viel ihrer Funktion weg ist. Dennoch haben wir vor kurzem (Juni 2012) eine neue Crew in der Stadt Aachen gegründet (im Umland gibt es sogar noch zwei alte Crews) um Neupiraten einen Anlaufpunkt ohne vorgegeben Ausrichtung, wie in einem AK/AG, zu geben. Man trifft sich, blödelt etwas und überlegt sich Sachen bzw. klärt sich gegenseitig über Fragen auf.

Kurz zur AG Koordination in Aachen: Um die Crews untereinander zu vernetzen, um z.B. Termine abzusprechen, wurde die AG Koordination gemacht. Vertreter der Crews kamen da rein und man redete miteinander. Um auch mal was größeres Kaufen zu können und, ja, um das System ein wenig zu hacken (eigentlich verfielen Crewbudgets am Ende des Jahres), konnten die Crews Geld an die AG übergeben. Die sammelte das dann und kaufte z.B. den großen Pavillon für > 500 €. (Crewbudget war nie wirklich klar, lag aber mal bei 150-200€/Jahr)

Da keine Crews mit Budget mehr da sind UND ein Großteil der Crews weg ist, hat sich die AG überlebt.

 

4 Gedanken zu „KV oder vKV“

  1. Zu vKV vs. KV: Da bin ich voll auf Udos Seite! Ich glaube nicht, dass wir einen echten KV brauchen; im Gegenteil – ich gehe davon aus, dass das nur Probleme machen würde.
    Der einzige Grund einen echten KV zu gründen bestünde dann, wenn die Zusammenarbeit mit dem LV einfach nicht klappen würde; dafür gibt es im Moment noch keine Anzeichen. Im Gegenteil, der LV ist uns gegenüber sogar recht “großzügig”, was die Finanzierung des Büros angeht.

    Zu den Crews: Die Crews waren lokale Macher und haben der Piratenpartei in der Anfangsphase einen grandiosen Dienst geleistet. Leider skalierte das System nicht: irgendwann war die Zahl der Crews so groß, dass die Finanzen auf Landesebene einfach nicht mehr zu verwalten waren. Das ist schade, aber nunmal Realität. Dennoch sind die Crews heute nicht nutzlos, aber sie haben ihre Rolle zu einer mehr geselligen, sozialen Form gewechselt; die eigentliche Arbeit findet verstärkt in AGs/AKs/PGs statt.
    Die AG Koordination war ursprünglich zur Koordination der Crews da. Ohne verbreitetes Crewwesen hat sich das alte Konzept überlebt. Die neue AG Koordination wird daher keinen Unterschied zwischen Crewmitgliedern und Nicht-Crewmitgliedern machen, sondern einfach allen Piraten in Aachen die Möglichkeit geben größere Aktionen zu koordinieren. Gleichzeitig ist sie zentrale Anlaufstelle für diese Arten von Arbeit, was Transparenz (was passiert gerade in Aachen) und Teilhabe (wie und wo kann ich mich einbringen) fördern. Es mag merkwürdig erscheinen, eine AG “ohne Rechte” zu gründen, aber so ist sichergestellt, dass wir nicht langsam in eine Hinterzimmerpolitik abdriften, in der sich die aktivsten Piraten ohne Einladung und Protokoll treffen, um Dinge zu besprechen, die eigentlich alle angehen.

  2. Dank U DO – das hätten die Piraten vor der Sitzung lesen müssen und
    vielleicht noch ein bischen mehr.
    Ich hoffe das ältere Neumitglied, dem ich gemeinerweise empfahl, Dich mit allen Fragen zu löchern, inzwischen auch zu den zufriedenen besser Wissenden gehört.

    Nostalgikern der Creworg und aus Pragmatismus schlage ich vor, eine AG “Crew & Organisation” nach Tannadors Format “ohne Rechte” zu gründen – die intern je
    noch bei Bedarf gegliedert werden kann so zB. Regionalteam je nach Kommune,
    denn nicht jeder Pflasterstein in Würselen interessiert in Monschau oder Aachen,
    aber bei Kreis-(Bezirks-)Landes- oder Bundesangelegenheiten alle oder eben
    zB bei Planung über Gemeindegrenze die Teams der betroffenen Gemeinden.
    Und die KMVs könnten ähnlich ablaufen:Erst treffen sich die Mitglieder je
    Kommune und beraten “Ihre” Punkte bzw die der GO und bringen anschließend anwesend die dann mittels Speaker in die (Gesamt-)KMV ein. Ich meine, dann bleibt mehr Zeit für Diskussion über klar gefaßten Anträge und die Entscheidung der Versammlung und querdenkende Einzelmeinungen könnten auch noch bei straffer Moderation einfließen.

    1. “Und die KMVs könnten ähnlich ablaufen:Erst treffen sich die Mitglieder je
      Kommune und beraten “Ihre” Punkte bzw die der GO und bringen anschließend anwesend die dann mittels Speaker in die (Gesamt-)KMV ein.”

      Ich fürchte damit wirst Du auf extrem wenig Gegenlieben treffen. Flache Hierarchien sind vielen Piraten genauso wichtig wie Öffentlichkeit. Alles, was auch nur nach Delegierten riecht, wird heftigen Gegenwind erfahren.

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